Kompositionen aus Terrassen, Treppen und Wasserspielen
Ein neuer Baustil nahm Ende des 15. Jahrhunderts von Italien seinen Ausgang. Er zeigt sich vor allem bei Herren- und Landsitzen, die in dieser Zeit entstanden. Statt den Gebäuden – wie bislang üblich – durch Festungsmauern einen wehrhaften Charakter zu geben, entsprachen nun offene Formen und weite Ausblicke dem Geschmack der Zeit. Gebaut wurden Häuser mit Vorliebe an Hanglagen, um einen Blick in die Weite der Landschaft zu ermöglichen. Treppen, Terrassen, Wasserspiele und Brunnenanlagen sind weitere charakteristische Elemente dieser Epoche der Renaissance.
Sie lässt sich unterteilen in die Frührenaissance, etwa von 1450 bis 1503, und die Hochrenaissance ab 1503 bis um 1573. Unter anderem war es Donato Bramante, Architekt in Rom, der die Epoche mit der Umgestaltung des Vatikanpalastes einleitete. Von Papst Julius II. erhielt Bramante den Auftrag, den Palast baulich mit dem Belvedere-Schlösschen zu verbinden, dessen Gartenterrasse 20m über der Sohle des Vatikanpalastes lag. Der Architekt legte mehrere Terrassen in verschiedenen Höhenabstufungen an, bis das Niveau des Vatikanpalastes erreicht war. Durch Treppen wurden die Höhenunterschiede zwischen den Terrassen überbrückt, eine neue Komposition, denn selbst in den antiken Gärten wurden Treppen nicht derart prominent und vielseitig eingesetzt. Zwar blieb Bramantes Bauwerk nur 25 Jahre erhalten und musste dann einer Bibliothek weichen, doch seine Leistung war wegweisend. Gebäude und freie Flächen wurden von diesem Zeitpunkt an als eine Einheit betrachtet.
Prägend für die Epoche der Frührenaissance war die Familie der Medici in Florenz, die eine Vielzahl an namhaften Renaissancekünstlern förderte, darunter auch Michelangelo. In der Toskana entstanden in dieser Zeit einige bedeutende Gärten, die selbst im Hinblick auf die Pflanzen regelrecht komponiert wurden. Ein frühes Beispiel stellt die Villa Medici Castello in Cafaggiolo dar. Errichtet in charakteristischer Hanglage, verbanden Treppen die unterschiedlich hohen Terrassen innerhalb der Nebenbauten sowie im Hauptgebäude. Vor der Gebäudefront wurde eine Rasenterasse mit abschließender Balustrade angelegt. Kleine geschlossene Gartenräume (giardini segreti) lagen seitlich neben der Villa und boten Rückzugsmöglichkeiten.
Die Terrassen wurden in geometrische Formen gegliedert und mit parallelen oder sternförmigen Wegführungen versehen. Grotten und Brunnen schmückten die Stützmauern aus. Die Grotten wurden mit Kiesel- und Muschelmosaiken ausgekleidet und beherbergten Figuren- und Tierensembles. Als neue Stilelemente tauchten die Skulpturen des antiken Roms auf. Sie bildeten das verbindende Element zwischen der Architektur und der Natur, also den Gehölzen und Pflanzen.
Den ästhetischen Höhepunkt der Villa Medici Castello bildete der zentral angelegte Herkules-Brunnen mit den Figuren des Herkules und Antaeus. Dekoriert wurde der Gartenbrunnen sowohl mit zeitgenössischen als auch mit antiken Plastiken, deren Themen vorwiegend der antiken Mythologie entstammten. Rund um den Brunnen wurden Zypressen, Lorbeerbäume und Myrten gepflanzt. Oberhalb des Gartengeländes wurde in Bassins das Wasser für Brunnenanlagen und Fontänen gespeichert.
Als eine der bedeutendsten und größten Gartenanlagen müssen auch die Boboli-Gärten in Florenz erwähnt werden. Der Ausbau des dazu gehörigen Palastes dauerte mehrere Generationen bis Mitte des 17. Jahrhunderts. In den Gärten der Renaissance kam neben Terassen und Treppen dem Element Wasser eine zentrale Rolle zu. In Kaskaden, Fontänen, Brunnenanlagen oder Wasserorgeln erschien das Wasser plätschernd, sprudelnd und sogar tönend. Bereichert durch Pflanzen und Gehölze, bilden die Gärten ein Musterbeispiel italienischer Renaissancearchitektur.
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